Τρίτη, 6 Νοεμβρίου 2018

Wie aus Baiern Bayern wurde


6/11/2018

Von Theodora Mavropoulos

Bayern gibt es noch immer eine gewisse Griechenverliebtheit – aber das basiert eher auf diesem romantischen Bild, das ein Hölderlin oder ein Nietzsche gezeichnet haben“, sagt Stavros Dimitriou. Der 46-Jährige ist als Kind von griechischen Einwanderinnen in München geboren und aufgewachsen. „Von den folkloristischen Aspekten einmal abgesehen, sehe ich keine enge Verbindung zwischen Bayern und Griechen“, so der IT-Trainer.

Zwischen dem Freistaat und Griechenland gibt es seit über 200 Jahren enge Verbindungen. Der Buchstabenwechsel vom i zum y zeugt davon. Heute hat sich das Verhältnis abgekühlt – auch wegen der Hetze vieler deutscher Medien gegen Hellas

Vor knapp 200 Jahren zog ein minderjähriger Bayer nach Griechenland, um das Land zu beherrschen. Im Gefolge hatte er Handwerker, Beamte und Soldaten. Dieser junge Teenager war Prinz Otto Friedrich Ludwig von Wittelsbach. Er wurde im Jahr 1832 zum König von Griechenland ernannt.

Hellas hatte sich damals gerade von der Besetzung durch die Osmanen befreit. Der neu gegründete Staat Griechenland wurde im Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830 international anerkannt. Im Oktober 1831 wurde Ioannis Kapodistrias – erstes Staatsoberhaupt des befreiten Griechenland – ermordet.
Sein Bruder Augustinos, der seinen Platz einnahm, schaffte es auch nicht, das Land zu stabilisieren. Griechenland driftete in ein Machtvakuum ab. Von den Signatarmächten Russland, ­Großbritannien und Frankreich kam daher der Vorschlag, schnellstmöglich einen europäischen Blaublütigen zum König zu machen. Die griechische Nationalversammlung wählte letztendlich den 16-jährigen Prinzen Otto von Bayern.

Zu jener Zeit war Griechenland in ganz Europa groß in Mode. Ottos Vater, König Ludwig I., war wohl einer der bedeutendsten Griechenland-Fans, ein Philhellene. Die Philhellenen bewunderten Griechenland als Land der großen Philosophen, als die Wiege der Demokratie.

So ließ Ludwig I. auf dem Königsplatz in München die Gebäude nach dem Vorbild der griechischen Akropolis errichten. Die Propyläen – ein gigantischer Torbau in Form eines griechischen Tempels – finanzierte Ludwig I. aus privaten Mitteln. Sie sollten ein Zeichen der Freundschaft zwischen Bayern und Griechenland sein und als Denkmal für den griechischen Freiheitskampf stehen.

Sohn König Otto hingegen baute in Griechenland nach österreichischer Art, um sein Heimweh zu überwinden. Straßennamen und Grabstätten zeugen heute noch vom Dasein der Bayern in Hellas. Einige der Bayern, die unter Otto kamen und in Griechenland blieben, machten Karriere: Die Familie Fuchs gründete die größte griechische Brauerei und braute das helle Bier mit dem Namen „Fix Hellas“. Das Bier gab es bis Anfang der 1980er Jahre. Das Unternehmen ging bankrott. 2009 wurde das Fix-Bier wieder auf den Markt gebracht.

Auch die Familie Clauss setzte sich in Griechenland durch. Die Marke Achaia Clauss ist bis heute in den Geschäften zu finden. Erstmals ab 1869 wurden die Weine auch nach Deutschland exportiert. Ein Herr Georg Streit brachte es sogar bis zum griechischen Außen­minister.

Die wohl unmittelbarste Verbindung mit Griechenland ist das y im Namen des Freistaats. Der Buchstabe i wurde durch das y aus dem griechischen Alphabet ersetzt. Aus Baiern wurde Bayern, um die griechische Verbindung zu unterstreichen.
Auch das dunklere Blau der griechischen Flagge, deren Farbwahl bis auf das byzantinische Kaiserreich zurückzuführen ist, wurde unter König Otto an das Mittelblau des Wappens der baye­rischen WittelsbacherInnen angeglichen.

„All das hat mit dem modernen ­Griechen an sich nichts zu tun. Denn der ist für den Münchner beziehungsweise für den Bayern ein mittelmäßiger Alexis Zorbas“, sagt Stavros Dimitriou und lacht bitter auf. „Also so ein Faulpelz, ein Lebenskünstler, der sich durchwurschtelt und irgendwie am Ende doch noch das bekommt, was er braucht, ohne sich wirklich anzustrengen“, fügt er hinzu. Das sei so das Image, das man als Grieche in Deutschland habe. Dieses würde besonders von den bayerischen Politikern immer wieder unterstrichen.

So sagte kürzlich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) während einer Rede im Rahmen seiner Kampagne für die Landtagswahl in Bayern vor seinem Publikum im bayerischen Ingolstadt, dass Bayern ja nur für einen gewissen Zeitraum in Griechenland regierte. „Vielleicht wäre es wirklich besser gewesen, wenn dies nicht nur vorübergehend gewesen wäre“, sagte Seehofer.

Auch vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder kommen immer wieder Spitzen gegen Griechenland. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker der Finanzpolitik Griechenlands und hat mehrfach den Austritt des Landes aus der EU gefordert. Im März 2015 twitterte er salopp: „Griechenland nervt. Anstatt Hausaufgaben zu machen, versucht Athen jeden Tag neue Forderungen zu stellen. Langsam reißt Europas Geduldsfaden“.

„Ein Nachgeschmack solcher Sprüche bleibt“, sagt Dimitriou. 2010 sei der Anfang der emotionalen Wende gewesen, berichtet er. Über Jahre hinweg habe es dann eine Medienkampagne gegen Griechenland gegeben. „Die Griechen wurden als faules Pack und gieriges Volk bezeichnet“, so Dimitriou. Selbst wenn man hier aufgewachsen sei und sich eigentlich immer integriert gefühlt habe – das ändere so einiges in einem. „Man fühlt sich nicht mehr zugehörig“, sagt Dimitriou.
Im Jahr 1960 war das noch anders. Damals wurde das deutsch-griechische Anwerbeabkommen geschlossen. Tausende GriechInnen gingen nach Deutschland, um dort zu arbeiten. Die Münchner ist noch immer eine der größten griechischen Gemeinden Deutschlands.

Die GriechInnen von damals gingen als sogenannte GastarbeiterInnen in die Geschichte ein. Die meisten von ihnen blieben in Deutschland. So auch die Eltern von Dimitriou. Sie arbeiteten als ObstverkäuferIn und machten dann selbst einen Laden auf.
„Jetzt gibt es eine nächste Welle von GriechInnen, die herkommen, um sich eine Existenz aufzubauen“, beobachtet Dimitriou. Die Wirtschaftskrise vertreibt sie aus ihrer Heimat. Etwa 40.000 GriechInnen kamen nach Bayern. Ein häufiger Grund: die dort existierende große griechische Gemeinde.

Und die wächst immer noch. „Ich merke das hier zum Beispiel an der Anzahl und der Qualität der Läden. Früher war es nicht möglich, eine Bougatza, eine süße Teigspeise, zu bekommen. Heute gibt es sie in drei oder vier Läden“, so Dimitriou. Doch das Leben als eingewanderter Grieche oder Bürger griechischer Abstammung in Bayern ist heute, trotz der kulturellen Vergangenheit, anstrengender denn je.

Er habe immer gedacht, dass er nicht direkt in der Schusslinie deutscher Anfeindungen stünde, sagt Dimitriou. „Aber dieses Einhämmern über Jahre auf die Griechen – das erzeugt automatisch Distanz und eine Abwehrhaltung“, erklärt er.
Und es ist noch handfester. Das merkte er, als er vor ein paar Jahren die Polizei wegen Problemen mit seinem Nachbarn gerufen hatte. „Da hat mir der Polizist gesagt, wenn es mir hier nicht gefällt, dann soll ich doch dahin zurückgehen, wo ich hergekommen bin“, berichtet er.

Auch das war zu Hochzeiten der Medienhetze gegen Griechenland. Dadurch bricht immer mehr das Vertrauen und das Zugehörigkeitsgefühl weg. „Ich sehe für mich in Deutschland emotional keine Zukunft, fühle mich dem Land nicht mehr verbunden“, resümiert Dimitriou. „Mein Plan ist es, nach Griechenland zu migrieren“, verrät er.

Auch der junge König Otto kehrte nach 30 Jahren Regierungszeit zurück. Nach zwei Aufständen gegen ihn wurde er ins Exil geschickt – nach Bayern.

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