4/9/2014
Die Europäische Zentralbank liebäugelt schon wieder mit einem Zaubertrick: Jetzt will sie den Banken ihre Kredite abkaufen. Wenn das mal gut geht.
Ein Bild sagt mehr als jedes Wort. Mario Draghi weiß das. Als der Präsident der Europäischen Zentralbank jüngst in Amerika beim Notenbankertreffen von Jackson Hole sprach, stellte er dem Vortrag eine Grafik voran. Sie zeigt, wie sich die Arbeitslosigkeit in Amerika und Europa seit dem Jahr 2008 entwickelt hat. Im Jahr 2012 kreuzen sich die Kurven: In Europa finden immer weniger Menschen Arbeit; in Amerika gibt es dagegen immer mehr Jobs.
Mehr braucht man von der Rede nicht zu wissen, um zu verstehen: Hier will jemand zeigen, dass die Sache dringlich wird in Europa. Draghi erhöht den Druck auf seine eigene Notenbank zu handeln. Zwar ist es nicht die Aufgabe der EZB, sich um die Arbeitslosigkeit zu kümmern. Aber, wie sagt Draghi mit rhetorischem Gestus: „Keiner in der Gesellschaft bleibt unberührt von einer Situation hoher Arbeitslosigkeit.“
Wie die Bank handeln soll, das hat Draghi in den letzten Monaten oft gesagt: „Unsere Vorbereitungen für Käufe am Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere schreiten schnell voran.“ Forderungsbesicherte Wertpapiere, das sind Papiere, hinter denen Kredite stecken: an Hausbauer, an Unternehmen, an Konsumenten. Wenn die EZB sie kauft, kauft sie auch das Risiko, dass die Kredite ausfallen. So etwas ist ihr nicht verboten, es ist aber höchst umstritten. Denn wenn viele solcher Kredite ausfallen, macht die Zentralbank Verluste, und die tragen am Ende die europäischen Steuerzahler.
Blackrock soll die Notenbank beraten
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hält wenig davon, diese sogenannten Asset Backed Securities (ABS) zu kaufen. Das hat er schon mehrfach öffentlich gesagt. Weil er die Steuerzahler nicht unnötig belasten will. Und weil er fürchtet, das könnte der Einstieg sein in ein großangelegtes Programm, mit dem alle möglichen Wertpapiere aufgekauft werden. Notenbanker nennen das quantitative Lockerung (QE). Mario Draghi hat zuletzt betont, dass die EZB auch zu einer solchen quantitativen Lockerung bereit ist, wenn die Inflationserwartungen weiter sinken.
Dass Mario Draghi es ernst meint, konnte man vor wenigen Tagen beobachten. Da gab die EZB bekannt, dass sie einen Vertrag mit dem weltweit größten Vermögensverwalter Blackrock geschlossen hat. Er soll die Notenbank beraten, wie sie ein Ankaufprogramm von Kreditpapieren „gestalten und umsetzen“ kann. Schon seit Monaten werkelt eine interne Arbeitsgruppe aus Marktexperten und Volkswirten der EZB an den Details. Nun soll Blackrock sie unterstützen, vor allem bei der Frage, wie die Risiken zu bewerten sind.
Mit Risiken kennt Blackrock sich aus. Die Amerikaner betreiben eine Plattform namens Aladin. Hinter dem Namen aus „1001 Nacht“ steckt ein System, das riesige Mengen an Daten auswertet, um blitzschnell Wertpapieren einen Preis zu geben und ihre Risiken durchzurechnen.
Das Engagement von Blackrock ist natürlich auch eine Botschaft in Richtung Weidmann. Er soll endlich einer Grundsatzentscheidung zustimmen nach dem Motto: Ja, wir machen so ein Programm (Notenbanker formulieren das natürlich anders). Schon zweimal hat Weidmann das verhindert, so dass Draghi immer nur verkünden konnte, dass „die vorbereitenden Arbeiten intensiviert werden“. Das kann nicht ewig so weitergehen, zumal der EZB-Rat ihn natürlich auch überstimmen kann und die Mehrheit gegen ihn steht.
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